Der Braunauer Altar

Weit über die Grenzen Waldecks hinaus ist die barocke Saalkirche von Braunau bekannt. Jedoch wirklich berühmt ist sie vor allem wegen ihres spätgotischen Altarschreins. Der Braunauer Altarschrein weist sowohl im Mittelteil als auch auf dem rechten Bildflügel jeweils die Jahres­zahl 1523 auf.

Eine Signatur hingegen fehlt, weil der Flügelaltar vermut­lich von mehreren Bildschnitzern und Malern in gemeinsa­mer Arbeit gestaltet worden ist. Keiner von ihnen wird na­mentlich genannt. Dennoch lässt sich vermuten, dass sie alle Meitersdörfer Franziskanermönche waren. Lediglich auf dem rechten Bildflügel finden sich in der Nähe der Jahreszahl 1523 auf einer auffälligen Säule vier kreisförmig geschwungene Zeichen oder Buchstaben, deren Bedeutung bis heute aber unbekannt ist.

Unbekannt ist auch die Herkunft des wertvollen Schnitzaltars. Sicher ist nur, dass er ursprünglich nicht für die Braunauer Kirche in Auftrag gegeben worden ist. Fest steht lediglich, dass der Schnitzaltar in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges auf unbekannten Wegen vorübergehend in Odershausen und anschließend Braunau in Sicherheit gebracht worden ist.

Die geschnitzte Mitte

Wie die beiden Altarschreine in Külte und Kleinem, so zeigt auch der Braunauer Flügelaltar im geschnitzten Mittelteil eine sogenannte Kreuzigung im Gedränge. Anhand von 24 Figuren, die im Gegensatz zum eichenhölzernen Bildträger allesamt aus Lindenholz gefertigt worden sind, zeigt der geschnitzte Mittelteil des Braunauer Al­tarschreins die Kreuzigung Jesu vor den Toren Jerusalems. Links vom Kreuz Jesu sind diejenigen zu sehen, die um seinen Tod trauern. Rechts davon stehen die Schaulustigen und die Spötter.

Im Vordergrund erkennt man in der Bildmitte Maria Magdalena in einem prunkvollen Gewand, die ein kostbares Salbgefäß in ihren Händen hält. Sie blickt zum Gekreuzig­ten auf, wobei dicke Tränen über ihre Wangen laufen. Rechts von ihr steht ein auffallend modisch gekleideter Landsknecht mit Turban und langer Hellebarde, der Maria Magdalena zurückweist.

Der Konflikt zwischen liebender Barmherzigkeit auf der einen Seite und der Unerbittlichkeit der Staatsgewalt auf der anderen wird in dieser Szene überdeutlich. Neben diesem Landsknecht steht, vom Kreuz abgewandt, ein Mann mit einer Schriftrolle in Händen, die ebenso wie sein Gewand, hebräische Schriftzeichen trägt. Die Worte auf der Schriftrolle lauten übersetzt: „Ich bin JAHWE (der HERR), dein Gott.“

Am rechten äußeren Bildrand ist ein elegant gekleideter Mann zu sehen, der mit erhobener Hand spottend auf den Gekreuzigten zeigt.

Bei der Gruppe von Frauen auf der linken Bildhälfte, die al­lesamt ihren Blick trauernd vom Kreuz abwenden, fällt auf, dass keine von ihnen sich um die offensichtlich ohnmächtig in die Knie sinkende Mutter Jesu kümmert.

Gänzlich ungewöhnlich ist aber, dass Johannes, der einzige Jünger unter dem Kreuz, der Mutter Jesu in dieser Darstel­lung den Rücken zukehrt und stattdessen mit gefalteten Händen zu Christus aufblickt.

Im mittleren Teil zwischen den drei Kreuzesstämmen er­kennt man links und rechts jeweils drei Reiter. Auf der lin­ken Seite ist der Hauptmann Longinus zu sehen, wie er ge­rade den Lanzenstich in die rechte Seite des Gekreuzigten ausführt. Der Legende zufolge ist er durch Blutstropfen aus der Wunde Christi, die seine Augen berührt haben, sehend geworden, und er erkennt nun, dass Jesus wirklich der Hei­land ist.

Die Kreuze der beiden Schächer tragen Namensschilder. Dismas, der reuige - nur mit einem Hemd bekleidete - Schä­cher auf der linken Seite, ist dem Gekreuzigten zugewandt. Gesmas, der verstockte Schacher auf der rechten Seite, hat sich dagegen ganz von Christus abgewandt.

Am oberen Bildrand unter dem Querbalken des Kreuzes Jesu begrenzt die Kulisse der „hochgebauten Jerusalem“ die Szene. Über dem maßwerkgeschmückten Tor rechts findet sich die Jahreszahl 1523, wodurch der Schnitzaltar eindeu­tig datiert ist.

Über allem aber, entfernt und doch nah, mit mehr segnen­der als leidender Gebärde, ist der gekreuzigte Gottessohn zu sehen. Er ist hinein komponiert in ein imaginäres Dreieck, dessen Schenkel links von dem gebeugten Rücken Marias und rechts von der erhobenen Hand des Spötters ausgehen und sich im Haupt des Gekreuzigten treffen. Nicht zuletzt diese Komposition verrät die Hand großer Meister des 16. Jahrhunderts.

Die bunte Farbgebung der einzelnen Figuren, aber auch der vier Bilder auf den Innenseiten der beiden Altarflügel, ent­spricht wohl kaum dem Original, da den Malern der Spät­gotik nur sehr wenige lichtbeständige Farben zur Verfü­gung standen. Die jetzige Fassung ist daher wohl eher das Ergebnis verschiedener Restaurationsmaßnahmen in der Vergangenheit.

Zuletzt wurde der Braunauer Flügelaltar im Jahre 1948 re­stauriert und gegen beginnenden Schädlingsbefall ge­schützt. Daher ist der Altarschrein heute in einem außerge­wöhnlich guterhaltenen Zustand.

Die bemalten Flügel

Auf dem linken Innenflügel sind oben das Gastmahl im Hause des Pharisäers Simon und die dort stattfindende Sal­bung Jesu zu sehen. (Lukasevangelium 7, 36-50)

Das untere Bild zeigt die Szene, in der der Auferstandene neben dem leeren Grab Maria Magdalena in einer Gartenlandschaft begegnet. Hände und Füße des auferstandenen Christus sind durch die Nägelmale bleibend gezeichnet, aber in seiner linken Hand trägt er zum Zeichen seines Sie­ges über den Tod die Kreuzesfahne. Maria ist hier abermals in kniender Haltung vor Jesus Christus dargestellt. (Johannesevangelium 20, 11-18)

Der rechte Innenflügel zeigt oben die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer. Ein Engel auf der rechten Bildhälfte hält derweil die Kleider Jesu in seinen Händen. Über der Szene schweben in den Wolken Gott Vater und der Hei­lige Geist in Gestalt einer Taube. (Markusevangelium 1, 9-11)

Das untere Bild stellt die Enthauptung Johannes des Täu­fers dar. Im Vordergrund ist dargestellt, wie Salome aus der Hand des Henkers das Haupt des Täufers entgegennimmt. (Markusevangelium 6, 14-29)

Aufgrund der besonderen Umstände bei der Reformation lutherischer Prägung in Waldeck blieb ein allgemeiner Bil­dersturm aus.

Diesem Sachverhalt vor allem ist es zu verdanken, dass neben vielen anderen sakralen Kunstwerken auch der Brau­nauer Schnitzaltar unversehrt erhalten ist. Heute wie damals ist er für den aufmerksamen Betrachter ein beredtes Glau­benszeugnis seiner Zeit.

 

Es gibt keine bessere Harmonie, als wenn Seele, Herz und Mund übereinstimmen.

 

In tiefer Dankbarkeit

11. April 1992

Anne, Günter und Theo

 

(Text entnommen dem Faltblatt zum Braunauer Altar)

 

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